1920 bis 1933

 

 

Ab 1919/20 fiel der Ölhof in Bleckede in eine Art „Dornröschenschlaf“. Nur wenige Arbeiter blieben um die Anlagen, soweit sie bis dahin erstellt waren, betriebsfähig zu halten.

1923 sollte der Ölhof an drei Geschäftsleute aus Hamburg verpachtet werden. Die Anlage wurde zwar formal mit dem Erlass I H 11391 vom 14.11.1923 übergeben, die „Pächter“ verweigerten aber, drei Monate später, ihre Unterschrift unter dem förmlichen Pachtvertrag mit dem Hinweis auf die zunehmend schlechte Wirtschaftslage (Inflation) [23].

Im Jahr 1928 versuchten der Landrat in Bleckede und weitere Beamte um den Regierungspräsidenten in Lüneburg, für die Erlangung der Betriebsgenehmigung der Öl-Anlage bei Bleckede, ein umfangreiches Genehmigungsverfahren mit Begutachtung der gesamten Bauwerke durchzusetzen. Der Präsident des Landesfinanzamtes Unterweser stellte nach einer in Bleckede persönlich geführten Besprechung die Betriebsbereitschaft fest. Mit dieser Besprechung war die Erteilung der Betriebsgenehmigung direkt verbunden [24].

 

Bild 1: Zusammengesetztes Dokument der Betriebsgenehmigung der Ölanlage bei Bleckede September/Oktober 1928, Archiv Landkreis Lüneburg, 703,12.

 

Direkt nach der Erteilung der Betriebsgenehmigung wollte der Landrat in Bleckede erfahren, wann die Anlagen letztendlich in Betrieb gehen, und die erste Einlagerung von Öl in Bleckede erfolgen sollte. Zu diesem Zweck beauftragte der Landrat den Oberlandjäger [25] Tietje einen Bericht zu erstellen, um Informationen zum Baufortschritt zu erhalten – elf Jahre nach Baubeginn.

Bild 2: Bericht zum Stand der Bauarbeiten an der Öl-Anlage Sept. 1928, Archiv Landkreis Lüneburg 703,12

1930 wurde das Trafohaus am Hafen nach einem Bauantrag des Präsidenten des Landesfinanzamtes Unterweser durch das Hochbauamt Lüneburg baulich erweitert. Für das beim Ölumschlag beschäftigte Personal wurden Unterkunftsräume geschaffen [26].

 

[23] Entschädigungsforderung des Reichsfiskus an die Herren Bergmann, Levi und Schmiedekampf wegen Nichtzustandekommens des Pachtverhältnisses über die Ölanlage bei Bleckede. Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Nds. 220 Acc. 144/95 Nr. 81.
[24] Schriftverkehr zur Erteilung der Betriebsgenehmigung der Ölanlage bei Bleckede September/Oktober 1928 Archiv Landkreis Lüneburg, 703,12.
      
[25] Landjäger war in Teilen des deutschen Sprachraums vom späten 18. Jahrhundert bis weit in die 1930er Jahre die offizielle Bezeichnung für besondere Polizeikräfte, die speziell mit Ordnungsaufgaben in ländlichen Gebieten betraut waren. Landjäger-Korps umfassten sowohl berittene Einheiten als auch solche zu Fuß.
[26] Einzelne Bauanträge und Bauzeichnungen, Archiv Stadt Bleckede.

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