Bau-Kantine

 

Bisher ist über die Versorgung der Arbeiter auf den unterschiedlichen Baustellen im Ölhof nur wenig bekannt. Aussagen von Zeitzeugen deuten darauf hin, dass neben der Großküche im Kantinengebäude des Baulagers, auch Wachleute für das Kriegsgefangenenlager dort untergebracht waren.

Im Juni 1937 wurde beim Landkreis Lüneburg ein Antrag zur Erteilung einer Schank-Lizenz für die Wirtschaftsbaracke im Baulager Oelhof Bleckede gestellt. Diese Baracke sollte, nach dem Lageplan zum Bauantrag, quer vor das Bau-Lager, fast paralell zur Breetzer Str. gebaut werden [1].  Die Holzbaracke sollte von der Firma Gabriel A. Gerster, Holzbau- und Holzbearbeitungswerke Mainz a. Rh, geliefert werden. Als Besonderheit ist zu erwähnen, dass der Antrag und alle Pläne vom Pächter der Wirtschaftsbaracke, einem Herrn Martin Seehaus, unterschrieben wurden. Bisher wurden keine weiteren Dokumente gefunden, die den Bau des Lagers belegen.

lageblan baulager 1937

Bild 1: Lageplan Bau-Lager Bleckede (Nordpfeil wurde hinzugefügt), Archiv landkreis Lüneburg 182,8

 

 Bauplan Kantine

Bild 2: Bauplan der Wirtschaftsbaracke, Transkription der Kurrent-Schrift: Baulager Bleckede an der Breetzerstr. - Zerlegbare Wirtschaftsbaracke auf Pfahlrost nach den Normen des Reichsarbeitsdienstes Typ R.L. VII/6. Hersteller "Gabriel Gerster Mainz, M 1:100,  Archiv Landkreis Lueneburg 182,8.

 

Die Schank-Lizenz wurde am 12. Mai 1938, nach einem Streit vor dem Verwaltungsgericht in Lüneburg, mit Einschränkungen, genehmigt [2]. Die in der  Schank-Lizenz für die Bau-Kantine festgelegten Einschränkungen besagten, dass der Schankbetrieb eine Stunde vor Arbeitsbeginn geöffnet werde und  spätestens eine Stunde nach Feierabend geschlossen werden musste. Alle darüber hinaus reichenden Öffnungszeiten bedurften der Genehmigung der Ortspolizeibehörde (Bürgermeister in Bleckede). Weiterhin war der Besuch der Kantine nur den auf dem Bau beschäftigten Arbeitern und Angestellten erlaubt, und der Ausschank von Branntwein und Likör war untersagt. [3]

Es muß relativ schnell nach der Erteilung der Genehmigung, evtl. schon vor deren Erteilung zum Aufbau einer Baracke gekommen sein, die dann später als Kantine und Versammlungsraum diente. Zur Reichstagswahl am 10. April 1938 war in der Kantine ein Wahllokal eingerichtet worden, weil die Anzahl von zusätzlich 400 Stimmberechtigten dazu geführt hatte, in Bleckede einen gesonderten Stimmbezirk einzurichten [4].

Tatsächlich stand diese Baracke aber außerhalb des Bau-Lagers (vergl. Bild Nr. 3). Soweit wie heute bekannt, wurde auch keine weitere Baracke an der im Antrag vom Juni 1937 ausgewiesenen Stelle erbaut. Weiterhin gleicht die äußere Form der tatsächlichen Kantinen-Baracke im Luftbild keinesfalls den "Normen" der geplanten Wirtschaftsbaracke auf der Zeichnung. Überlieferungen darüber, warum eine andere Wirtschaftsbaracke an einem anderen Ort aufgestellt und betrieben wurde, sind nicht bekannt.

 

Luftbild Barackenlager

Bild 3: Barackenlager und Kantine an der Breetzer Str. (Luftbild Apr. 1945, Ausschnitt)

Am 26. September 1938 wurde Hitlers Rede über die Tschechoslowakei aus dem Sportpalast in Berlin reichsweit im Rundfunk übertragen. Überall waren Räume für den "Gemeinschaftsempfang" eingerichtet.  So auch in der Bau-Kantine im Barackenlager.

bz-anzeige 26sept1938

Bild 2: Anzeige aus der Bleckeder Zeitung vom 26. September 1938

Nach Kriegsende wurde die Wirtschaftsbaracke abgerissen und die H.E.W. Straße wurde gebaut.  Das Grundstück, nun mit direktem Staßenanschluß, wurde zu Gemeinde-Land der Stadt Bleckede und blieb bis zum Ende ca. 1975 unbebaut. Hier befand sich lange Jahre ein öffentlicher Kinderspielplatz.  Danach wurde das Grunstück aufgeteilt und als Bauplätze für Einfamilenhäuser an Privatpersonen verkauft.

 

[1]: Vorgang zur Erteilung einer Genehmigung zum Betrieb einer Schankwirtschaft in der Baukantine im Ölhof, Archiv Landkreis Lüneburg, 182, 8. 
[2]: Vorgang zur Erteilung einer Genehmigung zum Betrieb einer Schankwirtschaft in der Baukantine im Ölhof, Archiv Stadt Bleckede, 17,2.
[3]: Zeitzeugen berichteten, dass sowohl Personen die nicht zu den Arbeitern im Ölhof gehörten in der Bau-Kantine zu finden waren, als auch Anwohner mit einem "ausser Haus" Verkauf bedient wurden. Da in der Baukantine Branntwein und Likör nicht ausgeschenkt wurde, stieg dementsprechend der Konsum von Bier und Rumgrog, dieser durfte ausgeschekt werden.
[4]: Schreiben des Landrates zur Änderung in den Wahlbezirken im Landkreis Lüneburg v. 28. Mrz. 1938, Archiv Landkreis Lüneburg 543,11