Spurensuche zum ehemaligen Marine-Nachschublager Bleckede 1916 bis 1945

Montage, Bleckeder Heimatbuch, 1983

Heimatbuch

Auszug aus dem Bleckeder Heimatbuch von Ute Schötteldreyer, herausgegeben von der Bleckeder Zeitung 1983, Seite 108 und 109:

Ölhof der deutschen Kriegsmarine?

In den Jahren 1917/18 ließ die Reichsmarine für die Ölversorgung in Bleckede den Ölhof einrichten, wozu auch ein Anschlussgleis zum Hafen erforderlich wurde. Von 1936-1941 ist dann durch das Deutsche Reich, Kriegsmarine-Werft Wilhelmshaven, der Ölhof weiter ausgebaut und damit für viele Menschen Arbeitsplätze geschaffen worden.

Auf dem 600 Morgen großen Gelände dienten 34 unterirdische Riesenbunker mit einem Gesamtfassungsvermögen von 340 000 m³ der Lagerung von Ölvorräten, und im Deich führten zwei Pipelines zum Hafen. Vier elektrische Pumpenstationen hatten eine Stundenleistung von je 250 m³ , wurden jedoch nicht voll ausgenutzt. Weiterhin standen dem Ölhof zwei Verladebahnhöfe zur Verfügung.

Während der Bauzeit wurde an der Breetzer Straße ein Barackenlager mit einer dazugehörigen Kantine für 500 zusätzliche Montagearbeitskräfte errichtet, denn zum Ölhof gehörten bis zur Fertigstellung nur 60 Männer. Außerdem wurden in der Breetzer Straße drei Doppelwohnhäuser für die Ölhof-Beamten erbaut, und zwar die Hausnummern 17 und 19 sowie das jetzige Zollgrenzkommissariat. Diese staatliche Einrichtung brachte für Bleckede einen wirtschaftlichen Aufschwung, und die Bevölkerungszahl stieg von 1929-1937 von 2070 auf 2400. Außerdem war dem Ölhof noch eine eigene Werksfeuerwehr angegliedert.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verwahrte man im Ölhof einige hunderttausend Tonnen Öl der Kriegsmarine. Und weil vier Beamte und sechs Angestellte eingezogen waren, wurden zusätzlich zur Sicherung Landesschützen mit dem blauen Wachpersonal der Marinebauabteilung eingesetzt, die dann während des ganzen letzten Weltkrieges zum Bleckeder Stadtbild gehörten. In langen Reihen sah man sie auf Rädern von ihrer Unterkunft im Saal des Gasthauses Wilhelm Reimer zum Ölhof fahren.

Unter ihnen waren auch Infanteristen und Artilleristen des Ersten Weltkrieges, die im Laufe der Jahre durch alte Marinesoldaten ergänzt oder abgelöst wurden. Sie besaßen nur Gewehre, Pistolen, leichte Maschinengewehre und Handgranaten. Ihre Heimatorte lagen im Amt Neuhaus und im Raum zwischen Elbe und Lüneburg. Sie hatten also in ihrer dienstfreien Zeit die Möglichkeit, zu Haus zu sein und sich gegebenenfalls der eigenen Landwirtschaft und ihrer Geschäfte zu widmen. Eine Auswahl unter diesem Gesichtspunkt verdankten die Männer dem Hauptfeldwebel Otto Schulz von der 4. Kompanie des Landesschützen-Bataillons IX./X. in Lüneburg, der ja selbst ein Bleckeder war.

Die Landesschützen von Bleckede standen zweieinhalb Jahre unter dem Kommando des späteren Korvetten-Kapitäns z. V. Boese aus Lüneburg, zehn Monate unter Kapitänleutnant z. V. Untersten-Westen und zweieinhalb Jahre unter Oberleutnant d. R. Schmitt aus Barskamp.

Nach 1942 wurden Waren, wie Porzellan, Tafelsilber, etwa 40 000 Flaschen feinste Spirituosen usw. von drei Hapag-Schiffen in den Gängen um die Bunker eingelagert und verplombt.

Am 19. April 1945 wurde dann das Marinenachschublager des Ölhofes für die Bevölkerung zum Plündern freigegeben. Dazu kamen auch aus den Nachbardörfern viele Menschen, z. T. mit Pferd und Wagen, um sich kistenweise Sekt, Leder, Seife, Kerzen, Schuhcreme, Likör, Weinbrand usw. zu holen. Aber die Zeit war knapp, und vieles musste in Eile vergraben werden. Noch am selben Tag nachmittags erschienen von Ellringen her etwa 40 schottische Panzerspähwagen.

In den ersten Nachkriegsjahren schafften unaufhörlich Lastzüge Langholz zum Bleckeder Hafen, das in den Wäldern um Bleckede zu Tausenden auf Anordnung der Engländer von meist lettischen Arbeitstrupps gefällt wurde. Diese Bäume, die eine beachtliche Stärke hatten, wurden im Rahmen der Wiedergutmachung an die Siegermächte über Hamburg nach Großbritannien transportiert. Im Bleckeder Ölhof kam es in jener Zeit häufig zu Bränden, so dass die Freiwillig Feuerwehr allein hier in den Jahren 1945/46 21 Einsätze hatte. Im Juli 1948 wurde mit der Demontage der einst so bedeutenden Anlage begonnen und es war nicht einfach, die Bunker von 50 m Durchmesser und 6 m Tiefe zu sprengen. Die starken Metallwände wurden mit Schneidbrennern gelöst und mit insgesamt 12 000 m Rohrleitungen als Schrott nach England verschifft. Alle Stahlbehälter, bis auf vier aus Beton, nahmen so gemeinsam mit den vier vorsichtig zerlegten und verpackten Pumpstationen den Weg nach England.

Die letzte und gewaltigste Sprengung der Gruppe V, die aus sechs Bunkern mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 60 000 m³ bestand, war am 10. Dezember 1948. Dabei sollen angeblich 7,5 t Sprengstoff nötig gewesen sein. 100 t Ölrückstände, die dabei in Brand gerieten, verbreiteten noch zweieinhalb Tage Rauchschwaden über weite Strecken.

Durch Bemühungen deutscher Verwaltungsbeamter ist es gelungen, die Betonstraße unversehrt zu lassen, aber das Fundament für eine geplante Fabrikhalle wurde ebenfalls mit zerstört.

Für die Demontage wurden übrigens drei deutsche Unternehmen herangezogen Svenen & Remberg, W Stamer und H. Sepmann, die über 100 Arbeitskräfte einsetzten.

Vor 1938 wurde die Ölhof-Anlage von einem Herrn Anders verwaltet, dann existierten auch erst die vier älteren Behälter. Von 1938-1941 war Johannes Werding Leiter der Ölhof-Anlage, ohne Bauabteilung.


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