Spurensuche zum ehemaligen Marine-Nachschublager Bleckede 1916 bis 1945

Luftbild Oelhof Bleckede Apr. 1945

Gebäude Nr. 59

Ehemaliges Verwaltungsgebäude

 

 

Das Gebäude Nr.59 wurde in seiner Geschichte mehrfach aus-, und umgebaut.

Bild 1: Lageskizze Gebaeude Nr.59

 

     Weitere Gebäude in dieser Skizze sind:

     Nr. 58 Mannschaftsunterkunft

     Nr. 60 Hauptwache, Verwaltung

     Nr. 61 Gleiswaage

 

 

 

 Bild 1: Lageskizze Gebäude Nr. 59, (Stand 1945)


Im Ursprung handelte es sich bei dem Gebäude um ein Ausflugslokal. Die "Waldhalle" war um 1900 als Ausflugslokal des Bleckeder Hoteliers Dittmer gebaut worden.

In dieser Zeit bestand noch die Bleckeder Kreisbahn (Schmalspur 1895-1922). Die Bahnlinie nach Dahlenburg über Nindorf, Göddingen, Barskamp, Schieringer Forsthaus, Tosterglope, Horndorf, Dahlenburg, Gut Horn und Dahlenburg Bahnhof, verlief am südlichen Ortsausgang von Bleckede direkt neben der Chaussee.

Bleckeder Bürger ließen es sich nicht nehmen mit der Bahn an Feiertagen ins "Grüne" zu fahren.

Bild 2: Bleckeder Kreisbahn Waldhalle 1902

Bild 2: Bleckeder Kreisbahn hält an der Waldhalle,  Ansichtskarte ca. 1902,  Blickrichtung Nordost, Quelle: Verlag Wilhelm Riege, Photograph, Lüneburg, Ansichtskarte gelaufen 1902.

Alte Ansichtskarten aus Bleckede zeigen das Ausflugslokal "Waldhalle" in seinem Ursprung. Hier je eine Ansichtskarte von 1910 und 1916.

Bild 2: Waldhalle 1910   Bild 4: Waldhalle 1916

Bild 3: Die "Waldhalle" ca. 1910, Quelle: Wilhelm Riege, Photograph. Atelier, Lüneburg, Ansichtskarte gelaufen 1912.  Bild 4:  Die "Waldhalle", Quelle: Rolf & Co. Hannover, Ansichtskarte 1911.

Der Name "Waldhalle" stammt von einem kleinen Pavillon, den der damalige Besitzer Otto Dittmer, ganz im Geiste des beginnenden 20. Jahrhunderts, für Ausflugsgäste auf seinem Grundstück im Wald neben dem eigentlichen Lokal erbaute. Es ist nicht belegt, ob Pavillon und Ausflugslokal gemeinsam oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten erbaut wurden.

Bild5: Pavillon mit der Bezeichnung "Waldhalle" ca. 1902   Bild 6: Waldhalle mit Pavillon aus dem Wald heraus

Bild 5: Pavillon "Waldhalle", Quelle: Rolf & Co. Hannover, Ansichtskarte 1911.    Bild 6: Partie im Spröckel, Quelle: Verlag Theodor Sattler, Bleckede, No.2801,  Ansichskarte ohne Datum.

Im Bild 6 ist ein Blick aus dem Wald heraus auf beide Gebäude der "Waldhalle" abgebildet (links über dem Hügel ist das Schild auf dem Pavillon zu erkennen). Eindrucksvoll erscheinen hier Hügel und die Höhenlage im Gelände, die bei den Bauarbeiten zum Öllager 1917 verschwanden.

Das Ausflugslokal bot auch für andere Gelegenheiten Platz. So wurde am 18., 19., 20. und 25. Mai 1913  das erste Verbandsschießen des Schützenkreises Bleckede hier abgehalten. Auf älteren Lageplänen ist hier auch ein Schießstand (eine Schießbahn) eingezeichnet.

Bild 7: Lageplan 1917

Bild 7: Die "Waldhalle" im Lageplan von 1917, Quelle: Archiv Landkreis Lüneburg

Zum Bild 7: Vor den Gebäuden ist der Verlauf der Landstraße von Bleckede nach Dahlenburg eingezeichnet. Bei dem rechten Gebäude handelt es sich um das ehemalige Lokal "Waldhalle".

1917 wurde das Gebäude an das Marineamt verkauft. Zu diesem Zeitpunkt war die endgültige Entscheidung über die Einrichtung und den Bau eines Öl-Lagers in Bleckede schon gefallen. Als dann die Bauarbeiten begannen wurde in der "Waldhalle" das Baubüro eingerichtet. Siehe dazu auch den Bericht Nr. 4 der Ölhofwerkstatt.

Ob das Gebäude in der Zeit von 1920 bis 1945 umgebaut wurde, ist nicht bekannt. Hier waren neben Büroräumen der Verwaltung auch Wohnräume für Angestellte im Ölhof eingerichtet.

Ab 1948 wurden die Gebäude im Ölhof als Krankenhaus zur Behandlung von Tuberkulose-Patieneten genutzt.  Aus dieser Zeit sind einige Aufnahmen überliefert. Siehe dazu auch: Das Krankenhaus

Bild 8: Patientenaufnahme 1959   Bild 9: Patientenaufnahme Winter 1959/60

Bild 8 und 9: Patientenaufnahme der Lungenabteilung des städt. Krankenhaus Lüneburg in Bleckede 1959.

Zum Bild 8: Vor dem Gebäude steht der erste Krankenwagen der nach dem Krieg im Landkreis Lüneburg eingesetzt war.

Nach 1963 fanden vermutlich die größten Umbauten am ehemaligen Gebäude Nr.59 statt. Damit im Haus Räume entstehen konnten in denen Patienten untersucht und auch operiert werden konnten, wurden alle Leitungen und Anschlüsse neu verlegt. Wände mussten ebenso versetzt werden. Nur die Außenwände bleiben an ihrem Ursprungsort stehen. Letztendlich blieb von der ursprünglichen, rustikalen  Fachwerkkonstruktion nicht viel übrig.

Bild 10: Patientenaufnahme um 1965   Bild 11: Patientenaufnahme um 1965

Bild 10 und 11: Umgebaute Patientenaufnahme ca. 1965

Das bis dahin freistehende Gebäude wurde in die Gesamtanlage integriert. Die gesamte Dachkonstruktion wurde erneuert. Die First-Line  auf dem  Dach verlief nun durchgehend (teilweise um 90° gedreht). Die "Waldhalle" war verschwunden.

In den Jahren 1969 bis 1972 fanden im Krankenhaus Bleckede umfangreiche Baumaßnahmen zur Erweiterung und Modernisierung statt. So wurde direkt an den alten Untersuchungstrakt ein Gebäude zur Erweiterung angebaut.

Bild 12: Erweiterungsbau von 1970, Aufnahme von 2006   Bild 13: Altreifen Entsorgung

Bild 12 und 13: Anbau von 1970 aufgenommen 2006, Entsorgung von Altreifen auf dem Gelände

Seit Mitte der neunziger Jahre waren alle Gebäude im ehemaligen Krankenhaus mehr oder weniger dem Verfall preisgegeben. Das Gebäude der Patienetenaufnahme bzw. der Untersuchungs- und Behandlungstrakt blieben nicht verschont.

Bild 14: ehemaliger Untersuchungstrakt aufgenommen 2004   Bild 15: ehemaliger Untersuchungstrakt, aufgenommen 2004

Bild 14 und 15: Ehemaliger Untersuchungs- und Behandlungstrakt, aufgenommen Herbst 2004

Im Juli/August 2008 wurden die Gebäudereste abgerissen und die Fundamente aus dem Boden herausgebaggert. Anschließend wurde das Gelände planiert. Die Gebäudereste, die an die vielseitige Geschichte dieses Ortes erinnerten, sind verschwunden.

Bild 16: Fassade mit ursprünglichem Mauerwerk  Bild 17: Kastanie neben dem Gebaeude  Bild 18: Fassade durch den Dachstuhl gesehen  Bild 19: Schuttberg  Bild 20: Planierte Flaeche mit Kastanie

Bild 16 bis 20: Abriss der Gebäude im August 2008


zum Seitenanfang | Powered by CMSimple_XH | Template by w.scharff | Login