Spurensuche zum ehemaligen Marine-Nachschublager Bleckede 1916 bis 1945

Tank-Gruppe IV,  britisches Luftbild Bleckede 29. Oct. 1944

Tank-Gruppe IV

Nach der Gebäudeliste von 1950 vom Staatshochbauamt Lüneburg, trägt die Behältergruppe IV die Nummern 17 bis 22. Diese Tanks befanden sich in einer rechteckigen Bunkeranlage. Jeder Tank lag in einem fast quadratischem Bunker. Jeder der sechs großen, 10 000m³ fassenden Stahlbetontanks konnte, über einen "Umgang" um den jeweiligen Tank herum ständig überprüft werden. Die Tankgruppe IV wurde im Frühjahr 1939 zur Bauabnahme erstmalig mit Wasser befüllt. In der gesamten tank-Gruppe wurde auf den Einbau von Stahl-Tanks verzichtet.  Die Tanks waren durch das sogennannte Torkretverfahren wasserdicht gemacht worden - bei dem Torkretverfahren wird der Beton mit Hilfe spezieller Strahlrohre mit sehr hohem Druck (bis zu 200 bar) "aufgesprüht" und dadurch stark verdichtet, ein Verfahren, weches heute noch im Tunnelbau zur Anwendung kommt.

Bild 1: Lageskizze Tank-Gruppe IV

 Bild 1: Lagezkizze Tank-Gruppe I

Neben der Tankgruppe wurde ein Pumpenhaus für Löschwasser gebaut. (In der Zeichnung auf der rechten Seite der Anlage)

Im laufenden Betrieb erfolgte in der Gruppe IV die Einlagerung von Gasöl bzw. Teeröl. Hier zeigte sich, dass die Öle in den Beton eindrangen und teilweise den Beton durchdringen konnten. Ein Versuch die Tanks mit einer 5-6 mm starken Kautschuk-Schicht als Abdichtung auszusprühen scheiterte, als man feststellen musste, dass die Kautschuk-Schicht durch Steinkohlenteeröl aufgelöst wurde.
Kautschuk-Fladen lösten sich von den Wänden und verstopften die Pumpen und Auslaufrohre. Bei dem Versuch einen Tankablauf zu reinigen, ereignete sich ein Unfall, bei dem ein Arbeiter getötet wurde. Der Öl-Arbeiter war mit Schutzausrüstung in den Tank eingestiegen und obwohl er im Umgang mit dem Pressluftatemgerät ausgebildet war, kam es zu einer Störung am Atemgerät. Trotz aller damals eingesetzten Sicherungsmaßnahmen konnte der Mann nur noch tot aus dem Tank herausgeholt werden.

Nachdem offensichtlich geworden war, dass die gesamte Anlage für den Ölhof unbrauchbar war, wurden die Tanks gereinigt und in Lagerhallen umgebaut. Im Marine-Tanklager Bleckede entstand  ein Marine-Nachschublager.

Zitat aus den Gesprächsaufzeichnungen mit Johannes Werding, von 1983 und 1989:

"In den Betonbehältern der Gruppe IV, die wegen ihrer Beschaffenheit nur eine kurze Zeit für die Lagerung von Öl benutzt wurden, hatte die Kriegsmarinewerft bereits lange vor 1942 Verbrauchsstoffe für die Marine gelagert, z.B. Putzmaterial, Farben, Chemikalien, auch Bekleidung."

Lagezkizze der Tank-Gruppe IV, Feldbahngleise (gelbe Farbe)

Bild 2: Lageskizze Tank-Gruppe IV.  In die zusätzlichen Eingäge wurden Feldbahngleise (gelb) verlegt.

Damit eine Nutzung als Lagerraum erfolgen konnte, wurden in vier der sechs Tanks große Tore in die Außenmauern gebrochen. Zusätzlich wurden Feldbahngleise in die Bunker gelegt. Eingehende und ausgehende Waren konnten so auf kleinen Flachwagen, entweder zur Breetzer Strasse, oder zum erstellten Verladegleis der Eisenbahn transportiert werden.
In den Baracken an der Breetzer Strasse wurde die Verwaltung des Marine-Nachschublagers eingerichtet. Es entstanden zwei voneinander unabhängige Bereiche. Der erste Bereich war nur für Material der U-Boot-Flotte zuständig. Hier waren Bekleidung, Kleinausrüstung und Verbrauchsmaterial speziell für die Mannschaften der U-Boote eingelagert.
Im zweiten Lagerbereich, der auch den größeren Raum einnahm, wurden zum großen Teil technische und chemische Produkte für den Werftbetrieb in Wilhelmshaven eingelagert.
Neben Verbrauchsmaterialen wie Seife, Farben und Lacke wurden Säure, technischer Alkohl und auch Quecksilber in kleineren Mengen aus diesem Materiallager abgegeben.

Bild 3: Tank-Gruppe IV, Luftbild 29. Oktober 1944

Bild 3: Tank-Gruppe IV, Luftbild 29. Oktober 1944

Ab 1940 wurden an zwei Seiten Zugänge durch die Mauern der Tank-Gruppe gebrochen (weiße Pfeile im Bild 3). über ein Verladegleis konnten dann Güterwagen bis direkt an den Bunker gefahren werden. Dort entstand ein großer Lagerplatz auf dem Güter aller Art, auch unter freiem Himmel, ohne Tarnung umgeladen wurden (gelbe Pfeile im Bild 3).

 

 Bild 4: Tank-Gruppe IV, Luftbild 7. Apr. 1945

Bild 4: Tank-Gruppe IV, Luftbild 7. Apr. 1945

Im Bild 4 vom April 1945 sind die Eingänge gut zu erkennen. Auf dem Verladeplatz liegen die Waren unter Tarnnetzen. In diesem großen "Spezialitäten-Laden" sollen auch Leder und Linoleum eingelagert gewesen sein. Wie der Warenverkerhr innerhalb der Kriegsmarine organisiert war, kann in Bezug auf dieses Nachschublager noch nicht abschließend berichtet werden. Ein tieferer Einblick ergibt sich durch den Bericht: "Dienstverpflichtet"

Bild 5: Gelände der ehemaligen Tank-Grupppe IV, 2007

Bild 5: Gelände der ehemaligen Tank-Grupppe IV, 2007

Im Gelände der ehmaligen Tank-Gruppe IV ist kaum mehr zu erkennen dass sich hier Bauwerke befanden.

 

 

 

 


zum Seitenanfang | Powered by CMSimple_XH | Template by w.scharff | Login