Spurensuche zum ehemaligen Marine-Nachschublager Bleckede 1916 bis 1945

Luftbild Oelhof Bleckede Apr. 1945

Rangierer im Ölhof

Herr Otto Schell aus Bleckede wurde im Frühjahr 1943 bei der Bleckeder Kleinbahn eingestellt. Im Jahre 1944 wurde der damals fünfzehnjährige aufgrund von Personalmangel schon zum Rangierdienst im Oelhof herangezogen. Von Sommer 1943 bis zum Herbst 1944 wurden große Mengen Öl aus Rumänien angeliefert. Täglich kamen bis zu drei Züge (nicht im Plandienst geführt), mit bis zu 20 Wagen, aus Lüneburg im Oelhof in Bleckede an. Aus dem Oelhof heraus wurde täglich die gleiche Anzahl wieder in Richtung Lüneburg geschickt (Umlauf).

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Bild 1: Herr Otto Schell, Rangierer 1943
 
Damit die Ladevorgänge reibungslos ablaufen konnten, war eine Lokomotive zum Rangier-Dienst in das Oellager abgestellt worden.

Die Arbeit begann am Morgen gegen ca. 7.00 h. Die Lok war in Bleckede einsatzbereit (warm geheizt). Die Lok war vom Dienst am Vortage über Nacht weiter geheizt worden. (Nachtheizer)

Auf der Strecke Lüneburg Bleckede lief der "normale Zugdienst" in dieser Zeit weiter. Pro Tag bis zu sechs Personenzug-Umläufe und ein regulärer Güterzug-Umlauf.

Mit der Rangier-Lok fuhren dann Lokführer, Rangierer und Heizer (ein Kriegsgefangener aus Holland oder Frankreich) in den Oelhof ein. Das große Tor am Eingang stand meistens offen.

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Bild 2 bis 4: Einfahrt in den Oelhof an der Robert Koch Str. im Jahre 2014.  Auf jeder Seite des Gleiskörpers sind die Fundamente der Tore noch erhalten.

An der Gruppe I mussten die Wagen zum Be- und Entladen oftmals versetzt werden. Einige der älteren Wagen hatten damals noch keine Entleerungshähne an der Unterseite. Diese Wagen wurden, nachdem das Öl in den Wagen mit Dampflanzen aufgeheizt (flüssig gemacht) war,  nach dem Saugheber-Prinzip entleert.

Im Oelhof überwachte ein Vorarbeiter Zugbewegungen und Ladevorgänge. Auf den langen Wegen im Oelhof-Gelände war er mit einem Fahrrad unterwegs.

An der Gruppe IV wurde Stückgut verladen. Wenn Material verladen wurde, kamen Marinesoldaten (Transportpolizei), die extra zur Bewachung abkommandiert waren, zusammen mit den Wagen an. In den Bunkern der Gruppe IV waren extra Eingänge geschaffen worden. Auf dem Platz vor dem Bunker lagerte Material unter Tarnnetzen.

Im Herbst 1944 wurde technischer Alkohol (96 Vol. %)  im Oelhof eingelagert. Als die leeren Wagen wieder abgeholt wurden, war die Versuchung groß, nachzuschauen, ob nicht doch noch Reste in den Tankwagen übrig geblieben waren.

So wurde halt etwas an den Wagen "geschüttelt". Die Kupplungen der Wagen wurden gelockert, und die Lok fuhr kurz an. Der Tankablaufhahn war geöffnet, und so kam etwa eine Milchkanne voll Alkohol zusammen. (Verdünnt mit selbst gemachtem Fruchtsaft, ergab das drei Flaschen recht anständigen Schnaps !)

Russische Kriegsgefangene im Oelhof, die das Manöver der Eisenbahner beobachten, versuchten ebenfalls den Restalkohol aus anderen Waggons herauszubekommen. Sie hatten keine Gefäße zum Auffangen und tranken, was sie mit den Händen, die sie unter die Verschlusshähne hielten, auffangen konnten. Nach ca. zwanzig Minuten lagen alle Arbeiter wie betäubt im Graben. Bei schlechter Ernährung zeigte der Alkohol mit 96 Vol. % umgehend verheerende Wirkung. Es ist nicht überliefert, ob die russischen Männer körperliche Schäden durch Vergiftung davontrugen, ebenfalls ist nicht überliefert, ob sie als Kriegsgefangene noch zusätzlich für ihr Verhalten bestraft wurden. Die Eisenbahner verließen mit den "völlig geleerten" Wagen im Güterzug ungehindert den Oelhof.

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Bild 5: Herr Otto Schell, 2004





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