Spurensuche zum ehemaligen Marine-Nachschublager Bleckede 1916 bis 1945

Verlauf der Oelleitung

Die Ölverladeanlage am Hafen in Bleckede

Ab 1917 wurde mit den ersten Gebäuden im Ölhof auch die Verladestation am Hafen erbaut. An dieser Verladeanlage konnten Tankschiffe (Binnenschiffe) beladen und gelöscht werden. Das Öl wurde zunächst über eine, später über drei Rohrleitungen in die ca. 2 km entfernte Tankanlage gepumpt. Für die gesamte Verladestation wurde das Gelände  aufgeschüttet.  Für das Trafo-Haus (Gebäude Nr. 74) wurde der Untergrund weit über die damalige Hochwassermarke auf ca. 11 Meter über NN aufgefüllt.

Bild 1: Lageskizze der Verladeanlage am Hafen

       Gebäude in dieser Skizze sind:

         Nr. 73  Pumpenbunker 1

       Nr. 74  Trafogebäude

       Nr. 75 Pumpenbunker 2

 

 

Bild 1: Lageskizze,  Stand 1945,  gezeichnet ca. 1950,

Im Lageplan (Bild 1) sind die Rohrleitungen rot eingezeichnet. Das Hauptgebäude wurde 1918 als Trafogebäude erstellt. Hier wurde der Strom vom Kraftwerk Bleckede für die Verladeanlagen am Hafen umgespannt. Später wurde von hier aus Strom in den Ölhof weitergeleitet.

Bild 2: Luftbild Ölanlage Hafen ca. 1934

Bild 2: Luftbild der Verladeanlage im Hafen ca. 1934

Auf dem Bild Nr. 2 sind anders als auf der Zeichnung (Bild 1) drei verladebrücken abgebildet. Es erscheint möglich, dass hier die Erneuerung der ersten Verladebrücke und damit  die erneute Verlegung der Ölleitung (getarnt, anders als in Bild 4 und 5 von 1926)  fotografiert wurde. Direkt neben dem würfelförmigen Trafogebäude ist ein im Jahr 1934 errichteter Anbau zu erkennen. Hier waren Aufenthaltsräume für die Bedienmannschaft und Abstellräume für Feuerlöschgerät untergebracht. Unter diesem Nebengebäude befand sich ein Bunker, der Pumpen und Ventile zum Be-, und Entladen von Schiffen enthielt.

Ein weiterer Bunker für Pumpen wurde nach 1935 etwa 100m südöstlich vom Trafohaus zusätzlich erstellt. Nach dem Krieg wurden Teile der Aufschüttung (Wall an der Hafenseite) wieder abgetragen um Platz für ein Betonwerk zu schaffen.

Anmerkung:  Im Jahr 2014/2015 wurde im Zuge des Hochwasserschutzes hier wieder ein Damm entlang der Hafenseite aufgeschüttet.

Auf einem Luftbild von ca. 1965 sind weitere Anlagen abgebildet. Die Halle in der Bildmitte wurde nach 1960 erbaut. Die zweite Verladebrücke und die Spundwand in der Mitte des Anlegerbereiches wurden  entfernt.

Bild 2: Luftbild Betonwerk am Hafen 1965

Bild 3: Anlage ca.1965

Ebenfalls im Bild 2 gut zu erkennen ist der "Rohrdeich", der keine Funktion im Sinne eines Strombauwerkes für die Elbe hatte. Der Rohrdeich verband die Verladeanlage mit dem schon bestehenden Deichsystem in Bleckede (Sanddeich). Der Erdwall diente ausschliesslich der Tarnung der Rohrleitungen zum Tanklager. Die Rohrleitungen verliefen im, bzw. direkt neben dem Sanddeich im Deichfuss in Richtung Süden bis zum Schiedenitzweg (siehe auch Bild ganz oben auf dieser Seite).

Ursprünglich bestanden an der Hafenseite zwei hölzerne Verladebrücken. Die  nördliche Brücke blieb bestehen und hatte bis zu ihrem Abriss ca. 1970 warscheinlich mehrere Umbaumaßnahmen erfahren. Auf einem Bildausschnitt von 1926 liegen die Ölleitungen auf der Oberseite der Verladebrücken, später wurden sie unterhalb der Brücken (verdeckt) an die Schiffe herangeführt.

Bild 3: Verladeanlagen im Bleckeder Hafen 1926      Bild 4: Verladeanlagen im Bleckeder Hafen 1926

Bild 4 und 5: Verladeanlage ca. 1926

Nach 1935 wurde die nördliche Verladebrücken verlängert und die Leitung "tiefer gelegt". Die Ölleitungen traten direkt oberhalb der Line der Pflasterseine (Bild 3) aus dem Erdreich.  Die südliche Brücke wurde abgebaut. Auf dem Platz vor der südlichen Verladebrücke entstand im Zusammenhang mit der Erweiterung der Rohranlagen ein weiterer Bunker für die Aufnahme von Ölpumpen. Von hier aus erfolgte die Beladung und Löschung der Binnenschiffe "unter-verlagert"

Bild 5: Hafen Bleckede Tankleichter

Bild 6: Im Jahr 1935 baute die Seebeckwerft in Bremen die Fluß-Tankleichter  "Seeve" und "Ilmenau"  beide hier an der Öl-Verladebrücke in Bleckede, dicke Schläuche der Ladebrücke im Heckbereich. Bildquelle: NARA, NAVTEC, File:A9-16 (3) (70/Hn) 924, Aufnahmedatum unbek.

Bis 1960 war die ganze Verladeanlage praktisch noch im Originalzustand. Von der Demontage betroffen waren nur einige Rohrleitungen und Pumpen gewesen. Wie lange die Trafoanlagen im Betrieb waren ist unklar. Über den Gittermast neben dem Haus lief die Stromzuführung für die Trafoanlage und die Weiterleitung zum Ölhof. Die Leitungen führten durch das obere Giebelfenster ins Haus. Ein weiter Mast stand auf der Landfläche zum Deich (Platschen). Von hier aus führte eine Leitung in den Ölhof.

Bild 6: Ehemaliges Trafohaus ca. 1960     Bild 7: Ehemaliges Trafohaus ca. 1965

Bild 7 und 8: ehemaliges Trafo-Gebäude

Bild 8: Mast zum Ölhof (auf dem Platschen)
 
Bild 9: Gittermast im Deichvorland

Die Fenster im Wohnhaus (Trafo-Gebäude) wurden umgebaut, wann dies geschah, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau belegt werden. Auf dem Bild 6 ist der Betonmastzaun abgebildet, der damals das gesamte Gelände umfasste.

Ab 1960 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Verladeanlage ein Betonwerk erbaut (Fa. Löw He). Hierzu wurde der Anbau (Bürofläche) an das Wohnhaus verändert und der Pumpenbunker unter dem Haus verfüllt. Im Bild 7 sind die ehemalige nördliche Verladebrücke und die Spundwand abgebildet.

Bild 9: Verladeanlage ca. 1965   Bild 10: Verladeanlage ca. 1965

Bild 10 und 11: Verladeanlage ca. 1965

In der Ausschnittvergrößerung (Bild 10) ist der Treppenabgang in den zweiten Pumpen-Bunker abgebildet. Über dem Bunker befand sich nur die aufgeschüttete Fläche die auf diesem Foto schon abgetragen war.

Heute ist das gesamte Gelände in Privatbesitz. Nachdem mehr über die Geschichte der Gebäude am Hafen bekannt ist, fallen Details schnell ins Auge.

Bild 11: Ehemalige Verladeanlage 2004     Bild 12: ehemalige Verladeanlage, 2004    Bild 13: ehemalige Verladeanlage 2004

 Bild 12 bis 14: ehemalige Verladeanlage, 2004

Die Zaunpfähle sind mittlerweile mehr als siebzig Jahre alt. Sie stehen am ehemaligen Rohrdeich. Gebaut wurde der Zaun an dieser Stelle aber erst 1960 von der Fa. LöwHe. An der Wasserseite stehen noch die letzten Platten der Spundwände. Hier nagte der Zahn der Zeit, aber dieses "Relikt" ist auch heute noch deutlich zu erkennen.

Weitere Spuren sind die überreste der Verladebrücke mit den Rohrdeckeln der Pumpleitungen. Heute ist unklar warum die Rohre an dieser Stelle nicht aus dem Boden genommen wurden.
Im  Bild 14 ist im Vordergrund ein Stumpf eines Pfeilers der Verladebrücke abgebildet.

Bild 14: Rohrleitungen an der ehemaligen Verladebrücke   Bild 15: Rohre im Kelöler des ehemaligen Trafo-Gebäudes

Bild 15 und 16: ehemalige Ölleitungen, 2007

Im Keller des Wohnhauses ragen heute noch die zwei Pumpleitungen aus der Wand. Die Rohre haben einen Durchmesser von ca. 30 cm. An einem der Rohre im Bild 15 kann man unten einen Abgang erkennen.

Der zweite Pumpen-Bunker am Hafen ist noch sehr gut erhalten. Der Bunker ist zum Teil aufgefüllt worden. Ursprünglich betrug die Raumhöhe ca. 3,80 m.

Bild 16: Rohrleitungen im ehemaligen Pumpen-Bunker  Bild 17: Rohrleitungen im ehemaligen Pumpen-Bunker (Hafenseite)  Bild 18: Rohrleitungen im ehemaligen Pumpen-Bunker (Hafenseite)

Bild 17 bis 19: ehemaliger Pumpen-Bunker

Deutlich sind die Rohrleitungen in der Wand zu erkennen. Auf dem linken Bild sind die Rohrleitungen abgebildet, die vom Pumpen-Bunker in Richtung Trafo-Gebäude führten. Im Bild 18 und 19, auf der Hafenseite, ragen im Pumpen-Bunker drei große Rohre aus der Wand. Es ist anzunehmen, das Schiffe direkt aus diesem Bunker heraus be- und entladen wurden.

Bild 19: Montage Hafen mit Schiff

Bild 20:  Montage mit Luftbild vom 07.04.1945

Auf diesem Luftbild wurde ein Teil eines Lageplanes eingefügt. Zu erkennen ist, dass ein Binnenschiff direkt vor dem Pumpenbunker liegt. Das Luftbild wurde kurz vor Kriegsende aufgenommen. Fraglich ist, ob das Schiff beladen wurde. Üblicherweise wurde zum Lade-, oder Löschvorgang eine "Ölsperre" aus Pontons (Pfeil) auf der Hafenseite längseits neben das Schiff gezogen. Es ist anzunehmen, dass  bei dem Schiff auf dem Foto nur ein Steg zum Ufer liegt.

 

 


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